UEE ADVOCACY

SEKTION FÜR INFORMATION UND GEFAHRENABWEHR

„Das Kartell“ - Risikoanalyse

04.2946

Es wird vermutet, dass die Organisation „Das Kartell“, auch bekannt unter der Kurzbezeichnung KRT, über nennenswerte militärische und wirtschaftliche Mittel sowie eine gut funktionierende Spionageabwehr verfügt. Es gibt kaum Informationen über das Hauptquartier des Kartells, Gerüchte weisen auf eine mobile Einsatzbasis hin. Die bisher bekanntgewordenen Beteiligungen an legalen und illegalen Operationen, der breite Einflussbereich innerhalb des von der UEE kontrollierten Raumes und von uns gesammelte Informationen über die interne Struktur des Kartells lassen den Schluss zu, dass es sich um eine dezentral organisierte und militärisch geführte Organisation handelt. Genaue Mitgliederzahlen sind nicht bekannt; Schätzungen gehen von etwa 3000 Individuen aus. Die bisher zu dieser Organisation zusammengetragenen Informationen erhalten Sie mit diesem Bericht.

Einflussbereich des Kartells

Etwa um 2929 bis 2932 begrenzte sich der Einflussbereich des Kartells auf das Chronos-System. Im Zuge der weitreichenden Expansion der Organisation in den folgenden Jahren hat sich diese auf eine Vielzahl weiterer Systeme ausgebreitet. as Hauptoperationsgebiet des Kartells befindet sich nach unseren Kenntnissen momentan in Stanton und Pyro, es kann jedoch nicht verlässlich abgeschätzt werden, welcher Einfluss tatsächlich von der Organisation in diesen Systemen ausgeht. Dafür reichen die bisher gesammelten Informationen nicht aus. Es ist jedoch ersichtlich, dass im Zuge der weitgefassten Expansion ein gut funktionierendes Netzwerk in nahezu allen Geschäftsbereichen geschaffen wurde.

Militärische Schlagkraft

Es ist als sicher anzusehen, dass das Kartell über eine hohe militärische und paramilitärische Schlagkraft verfügt. Eine nicht unerhebliche Anzahl an Kampfjägern, Bombern, Frachtern, Forschungsschiffen und sogar Großkampfschiffen steht unter dem Kommando der Organisation. Wir glauben jedoch, dass das Kartell ebenso über Raumschiffe verfügt, die nicht offiziell registriert sind, daher ist ihre Schlagkraft nicht vollumfänglich bekannt.

Militärische Zusammenarbeit zur Sicherung der Systeme

Zurzeit hat die Sicherung der Front zum Vanduul-Raum oberste Priorität. Dabei leistet die Organisation einen Beitrag, auf den in der jetzigen Situation nicht verzichtet werden kann, indem sie die UEE-Kräfte bei der Sicherung von gefährdeten Systemen militärisch und die Zivilbevölkerung logistisch unterstützt.

Einfallende Vanduul-Clans werden regelmäßig von Einheiten der Organisation beobachtet und teilweise gemeinsam mit unseren örtlichen Einsatzkräften zurückgeschlagen. Dabei findet ein allgemeiner Informationsaustausch statt. Die dabei gesammelten Informationen werden durch unsere Auswertungsabteilung geprüft und archiviert.

Kriminalität

In den Systemen, in denen das Kartell Einfluss besitzt, ist durchaus eine Stabilisierung zu beobachten. Piratenüberfälle sind zurückgegangen und gesuchte Verbrecher werden durch Angehörige der Organisation an die Sicherheitsbehörden ausgehändigt. Insgesamt ist dort ein Rückgang der illegalen Aktivitäten zu verzeichnen. Das Kartell bekämpft auf der einen Seite die Piraterie, um die eigenen Handelsrouten zu schützen, auf der anderen Seite scheint die Organisation jedoch selbst in illegale Aktivitäten inklusive Piraterie verwickelt zu sein. Dabei werden konkurrierende Piratenclans vermutlich nicht nur verdrängt, sondern zum Teil auch assimiliert.

Da die offensichtliche Kriminalität in den Systemen, die sich im Einflussbereich der Organisation befinden, zurückgeht, verfügt das Kartell bei der Zivilbevölkerung über einen guten Ruf. Durch dieses Vorgehen hat sich das Kartell mehrere Wirtschaftssysteme und Absatzmärkte disponibel gemacht. Wir gehen davon aus, dass damit eine erhebliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Technologieverfügbarkeit etabliert wurde.

In der Vergangenheit haben es die Behörden versäumt, die illegalen Aktivitäten der Organisation genau zu beobachten und entsprechend zu reagieren.

Das Hauptaugenmerk des Kartells scheint allerdings im legalen Bereich zu liegen und wir vermuten, dass die beschränkten kriminellen Aktivitäten hauptsächlich der Stärkung ihrer legalen Geschäftsfelder dienen, etwa indem die Handelsrouten von Konkurrenten unsicher gemacht werden. Auf der anderen Seite scheint die Organisation jedoch auch nicht vor kriminellen Aktivitäten zurückzuschrecken, die nicht ihren legalen Operationen dienen, wenn der Profit dies rechtfertigt. So gehen wir davon aus, dass der Schmuggel weit verbreitet ist, nicht nur in den klassisch kriminellen Teilen des Kartells. Da es nicht leicht ist, nachzuvollziehen, ob gefasste Straftäter dem Kartell angehören, bleibt es weiterhin schwierig, den Umfang der illegalen Aktivitäten des Kartells genau zu bestimmen.

Zeitliche Einordnung der Entstehung der Organisation „Das Kartell“

2872: Die Regierung enthüllt das Projekt „Archangel“ (Synthworld) – eine von der UEE ins Leben gerufene und finanzierte Initiative, um einen Planeten buchstäblich von Grund auf aufzubauen.

Unmengen an Finanzmitteln und Material fließen in der Folge teilweise unkontrolliert in das Projekt. Viele zwielichtige Individuen nutzen die Chance, aus der Situation Profit zu schlagen, und bieten ihre Dienste zu überhöhten Preisen an.

2920: 50 Jahre Synthworld. Viele Bürger der UEE halten das Projekt für gescheitert, denn jedes Jahr bekommen sie von den Projektleitern aufs Neue versichert, dass die Wissenschaftler weitere Fortschritte erzielt haben, um den Wachstumsprozess zu stabilisieren. Diese liefern aber nichts wirklich Brauchbares, außer einer instabilen interplanetaren Masse. Daher fordern immer mehr Menschen den Stopp des Projekts aus Kostengründen. Dennoch wird das Projekt unvermindert weitergeführt.

2927: Etwa in diesem Zeitraum finden sich erste Einträge über Corran Dekkard in den Synthworld-Archiven. Er nimmt verschiedene logistische Aufträge an, um Material ins Chronos-System zu transportieren, um dieses zu überhöhten Preisen zu verkaufen. Damit legt er den finanziellen Grundstein für den Aufbau seiner Transport- und Handelsflotte.

Schnell schließen sich weitere Mitglieder an, die er mit schnellem Gewinn anlockt. Sein Vermögen wächst vermutlich rapide an. Wir gehen davon aus, dass er zu diesem Zeitpunkt Hochtechnologieteile, die für das Synthworld-Projekt gedacht sind, unterschlägt und über Mittelsmänner an selbiges verkauft.

2928-2929: Corran Dekkard verfügt über eine Transportflotte von schätzungsweise fünfzig Schiffen. Des Weiteren hat er bereits einen Geleitschutz für seine Transporte und eine eigene Forschungseinheit aufgebaut.

2929: Zum ersten Mal wird in den Randgebieten Rund um Chronos hinter vorgehaltener Hand von einer Organisation mit dem Namen „Das Kartell“ gesprochen. Man könnte das Jahr 2929 als Entstehungsdatum der Organisation bezeichnen. Das Kartell steht in dem Ruf, jegliche Güter in kürzester Zeit besorgen zu können, sofern die Bezahlung stimmt.

2930: Aus einer Hochsicherheits-Schiffsverwertungsanlage der UEE im Kilian-System werden verschiedene verschwundene Schiffe gemeldet, die zum Abwracken oder Ausschlachten bestimmt waren. Wie Unbekannte das Sensorgitter überwinden und unbemerkt in die Einrichtung eindringen konnten, ist bis heute ungeklärt.

Hinweise führten in das Magnus-System, wo ein Teil der Hüllen entdeckt und sichergestellt werden konnte. Anscheinend wurden diese dort illegal mit neuen IDs ausgestattet und weiterverkauft. Die Gerätschaften zum Generieren und Signieren der gefälschten IDs stammten von einem Händler, der im Ruf stand, der Organisation anzugehören. Von ihm fehlt bis heute jede Spur. Es ist wahrscheinlich, dass sich dieser durch die Kontakte der Organisation eine neue Identität beschaffen konnte und untergetaucht ist.

2931-2935: Ausdehnung des Kartells. Aus den Randgebieten wird berichtet, dass viele Piratenclans verschwunden sind oder ihre Aktivitäten eingestellt haben. Hinweise deuten darauf hin, dass sie sich dem Kartell angeschlossen haben oder verdrängt wurden. Zur gleichen Zeit erschließt sich die Organisation mehrere legale Geschäftsfelder.

2936: Der "Elysium-Vorfall". Bei einem Zwischenfall im Elysium-System gerät die dort stationierte Einsatzgruppe der Navy in einen Hinterhalt der Vanduul. Mehrere Enterkommandos des Feindes entern das Führungsschiff, die Idris-Fregatte UEE Hades, woraufhin sich die Besatzung gezwungen sieht, sich unter Deck zu verbarrikadieren. Die Lage scheint aussichtslos, bis das Kartell der schwer angeschlagenen Besatzung aus der prekären Situation hilft, indem es die Vanduul mit einigen Dutzend leichten und schweren Jägern angreift und den feindlichen Kampfverband ausschaltet. Bei der anschließenden Rückeroberung des Schiffes werden die Enterkommandos der Vanduul von den KRT-Marines vernichtet.

Im Zuge der schweren Gefechte an Bord der Fregatte kommt es im Inneren des Schiffes zu schweren Beschädigungen, während die Hülle aufgrund der Andockmanöver der Vanduul und der Truppen des Kartells stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Als scheinbar ein Kernbruch bevorsteht, wird das Schiff aufgegeben. Spätere Untersuchungen finden keine Trümmer der Fregatte und auch sonst keine Spur ihres Verbleibs. Es wird vermutet, dass es sich bei der verlorenen Fregatte um das heutige Flaggschiff des Kartells, Litany of Fury, handeln könnte. Dies könnte jedoch schwer nachzuweisen sein, da das Schiff stark beschädigt war und wir davon ausgehen, dass die Organisation während der Reparatur dafür Sorge getragen hat, mögliche Hinweise auf die ursprüngliche Herkunft zu beseitigen. Für eine Klärung wäre eine vorgeschobene Routineinspektion des Schiffes notwendig, mit der wir jedoch auf unsere Untersuchung aufmerksam machen könnten, während das Ergebnis ungewiss wäre.

Auffällig ist, dass im Anschluss an diesen Vorfall eine bedeutende Anzahl von Aufträgen der UEE, auch unter Beteiligung der Advocacy, an mutmaßliche Mitglieder der Organisation vergeben wurden. Genauere Informationen über tatsächliche Gespräche oder gar Verträge existieren bis heute nicht. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass Angehörige der UEE und der Advocacy ihre Kompetenzen überschritten haben oder bestochen wurden. Diese Vorfälle hätten umgehend durch einen Untersuchungsausschuss aufgeklärt werden müssen. Dies ist nicht geschehen und bis heute schweigen die damals Beteiligten zu den genauen Vorfällen. Ein erneutes Aufrollen des Falles wird nicht empfohlen, da dieser bereits verjährt ist und die damals Beteiligten teils hochdekorierte Veteranen im Ruhestand sind.

2937-heute: In den folgenden Jahren wächst das Kartell stetig an und scheint seine Geschäfte zunehmend in den legalen Raum zu verlagern und diese deutlich zu diversifizieren. Insbesondere der Geschäftsbereich der Forschung und Entwicklung erhält einen immer größeren Stellenwert.

Schlussfolgerung und Empfehlung

Das Kartell stellt zurzeit noch eine geringe Bedrohung für die UEE dar, ist aber dennoch sehr genau zu beobachten, da bei einer weiteren Ausdehnung der illegalen Aktivitäten eine Rückabwicklung nur mit erhöhtem personellem und finanziellem Aufwand betrieben werden könnte. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Öffentlichkeitswirkung, wenn die Systeme, in denen das Kartell operiert, wieder angreifbar für kleinere gesetzlose Verbände werden. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bewohner könnte dabei zu einem Problem werden.

Das Kartell tätigt seine Geschäfte zu einem überwiegenden Teil im legalen Raum und die von ihnen patrouillierten Systeme haben trotz ihrer mutmaßlich illegalen Aktivitäten insgesamt einen Rückgang der Kriminalitätsrate zu verzeichnen. Aufgrund dessen und wegen der derzeitigen Bedrohungslage in den Randgebieten zum Vanduul-Raum und die in der Vergangenheit geleistete Unterstützung durch die Mitglieder der Organisation wird eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen derzeit nicht empfohlen.

Jedoch ist die militärische Stärke des Kartells bei möglichen gemeinsamen Aktivitäten genau zu analysieren und wir empfehlen dringend, den der Advocacy vorliegenden Überwachungsantrag anzunehmen. Nach Maßgabe des Sonderausschusses empfehlen wir außerdem den Einsatz von Spezialkräften zur Infiltration der Organisation und den Aufbau einer Informationsstruktur.

Es gilt höchste Geheimhaltungsstufe, da davon ausgegangen werden muss, dass das Kartell bereits über Kontakte in höhere Positionen der UEE und der Advocacy verfügt. Es wird beantragt, die Organisation in die Kategorie Gelb einzustufen.

Nähere Absprachen zum weiteren Vorgehen sollen mit Admiral Bowen von der Sektion Information und Gefahrenabwehr getroffen werden.

– Dossier Ende –